Antigua Guatemala
Guatemala erstaunt uns noch immer. Haben wir doch ein Land erwartet, das noch ärmer ist als Mexiko. Und was treffen wir entlang der Panamericana an? Funktionierende (Gross-) Städte, touristische Orte, schöne Restaurants oder Hotelanlagen mit riesigen Spielplätzen, Aussichtspunkte entlang der Strasse, zweispurige Strassen, bedeutend weniger Abfall und hunderte von indigenen Kindern und Müttern entlang der Strasse, die da sitzen, sich unterhalten und uns zuwinken. Alle scheinen zufrieden zu sein. Nicht, dass die indigene Bevölkerung nicht Schwerstarbeit erledigen würde. Nein. Aber irgendwie sieht es von aussen so aus, als ob es für alle stimmen würde.
Aus den unzähligen Topes (Mexiko) wurden einzelne Tumulos (Guatemala). Und seit neuestem fehlen sie ganz, was unsere durchschnittliche Reisegeschwindigkeit, trotz Hügellandschaft, markant erhöht und unerwartete Vollbremsungen wegen fehlender Signalisation gänzlich entfallen lassen.
Was ist passiert? Hat das alles mit der Reform von 2004 zu tun? Sieht es bloss entlang der Panamericana so aus? Oder ist das ganze Land auf dem Weg zum geordneten Wohlstand?
Die hügelige Landschaft mit den vielen Wäldern, aber auch den verschiedensten Feldern, sieht geordnet und aufgeräumt auf. Bloss zwischendurch, entlang der Strasse, hat es immer wieder Plätze mit riesigen Abfallhaufen, die da wohl für die Ewigkeit deponiert sind.
Was wir hier auch unaufhörlich antreffen sind die Abkürzungen für alle Orte. Huehuetenango wird Huehue genannt, Panajachel bloss Pana oder etwa Guatemala City einfach Guate. Diese „liebevollen“ Abkürzungen hinterlassen ein gutes Gefühl, so als ob die jeweilige Ortschaft einen Kosenamen erhalten hätte. Überhaupt. Wir fühlen uns in Guatemala allgemein sehr sicher und gut aufgehoben. Und doch lesen wir immer wieder von bewaffneten Raubüberfällen z.B. auch entlang des Lago Atitlan. Spürt man das denn nicht oder ist es nun komplett anders? Wir können dieses Land definitiv noch nicht richtig einordnen.
In Antigua übernachten wir auf dem Platz der Touristenpolizei. Hier soll es „sicher“ sein. Die Stadt, welche von den drei Vulkanen Agua, Fuego und Acatenango umgeben ist, fällt nicht unbedingt durch ihre Schönheit auf. Es hat jedoch viele Gebäude zu besichtigen, die einst von Vulkanen oder später Erdbeben zerstört worden sind. Seit 1979 ist Antigua ein UNESCO Weltkulturerbe.
Wir mieten uns, um die Umgebung ein bisschen auszukundschaften, zwei Roller. Er fährt, lautet die Devise. Blinker ist abgebrochen, Tankanzeige steht still, Pneu sind falsch herum montiert, etc. Wer zu dritt auf dem Roller sitzt, muss einen Helm tragen. Wer zu zweit darauf sitzt, nicht, weiss die Verkäuferin. Wir tragen alle fünf Helme, wenn sie auch etwas zu gross sind. Roman fährt mit Nino vorne und Zora hinten drauf, Mona mit Riona hinten, ganz a la Guatemala. Wir fahren stundenlang durch die Gegend, erreichen fälschlicherweise fast Guatemala City. Die Gegend ist ganz unterschiedlich – zum Teil total heruntergekommen und voller Abfall, dann wieder aufgeräumt und ansprechend. Aber eins ist überall gleich. Es stinkt bestialisch. Schwarzer Rauch kommt aus den Auspuffen, die Luft ist vollkommen verdreckt. Hinter einem öffentlichen Bus herzufahren, lässt einem fast ersticken.
Auf dem Weg zum Vulkan Agua landen wir im Dörfchen Santa Maria de Jesus. Es ist gerade Markt und wir sind die einzigen „Ausländer“. Eine Sensation. Der Vulkan jedoch ist fast vollständig eingehüllt in Nebel.